Umbau Knotenpunkt Neukirchen am Sand

Stefan Grötsch, Sachgebietsleiter Straßenbau
Staatliches Bauamt Nürnberg

Worum geht es bei der Baumaßnahme?

An der Bundesstraße B14 zwischen Nürnberg und Sulzbach-Rosenberg, etwa im Bereich der Autobahnanschlussstelle zur A9 bei Lauf-Hersbruck wird ein Ausbau auf einer Länge von ungefähr 2,1 km durchgeführt. Es geht dabei darum, die Unfallträchtigkeit der Strecke deutlich zu vermindern und ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. Aus diesen Gründen werden zwei bisherige Knotenpunkte, das sind in diesem Fall zwei Kreuzungen, in einem neuen Verteilerknoten zusammengefasst. In dieser Baumaßnahme steckt ein ganzes Paket drin: u.a. Streckenbau, Brückenbau, Nachrüstungen für Amphibienschutz und Fahrbahnsanierungen.

© Pegnitz-Zeitung Lauf a.d. Pegnitz, Projekt: Knotenpunktumbau Neunkirchen am Sand

Was ist Ihr Aufgabenbereich bei diesem Projekt?

In meiner Funktion als Sachgebietsleiter Straßenbau beim Staatlichen Bauamt Nürnberg bin ich für die Planung, die Bautechnik sowie die Sicherheitsaudits und vieles mehr zuständig. Innerhalb des Projekts habe ich an der Vorentwurfserstellung mitgewirkt und dann später die Planfeststellung erstellt, den Planfeststellungsbeschluss eingeholt, inklusive der ganzen Stellungnahmen im Verfahren, der Erläuterungen etc. bis zur Beschlussfassung. Zu meinen Aufgaben gehören der Straßenbau und die Abstimmungen mit dem Brückenbau, die EU-weite Ausschreibung, die gesamte Öffentlichkeitsarbeit und letzten Endes auch die Projektführung mit Baubetreuung und Bauüberwachung.

Wie sind Sie zum Staatlichen Bauamt Nürnberg gekommen, was ist Ihr Werdegang?

Nach dem Abitur habe ich mich für ein Studium im Bauingenieurwesen an der damaligen FH Nürnberg (jetzt TH Nürnberg) entschieden. Im Rahmen meines Schwerpunktes Verkehrswesen habe ich zusammen mit dem Straßenbauamt meine Diplomarbeit geschrieben, so dass dort bereits die ersten Kontakte entstanden sind. Zunächst wollte ich zur Autobahndirektion, bekam dann aber die Möglichkeit, beim Straßenbauamt in der Bauleitung anzufangen. Vier Jahre lang war ich für die Landkreise Fürth und Roth zuständig. 2004 ergab sich die Gelegenheit, die Sachgebietsleiterposition für Nürnberger Land und Erlangen-Höchstadt zu übernehmen.

Welchen Zeitraum umfasst ein solches Projekt von der Planfeststellung ausgehend?

Von der Einreichung bis zum Beschluss waren es knapp zwei Jahre bis 2015, was insgesamt sehr schnell ging. Natürlich waren bei den Abklärungen auch archäologische Fachbegleitungen im Vorfeld notwendig sowie Kampfmitteluntersuchungen. Ein besonderer Aspekt dabei war die Berücksichtigung der Ranna-Leitung im Bereich der Baumaßnahme. Dabei handelt es sich um ca. 1 Meter dicke, gusseiserne Röhren, die rund 40% der Nürnberger Wasserversorgung aus dem Gemeindegebiet Ranna transportieren – darin fließt seit 1912 das Trinkwasser im freien Gefälle ohne Pumpanlagen. Die Rohrverlegung musste europaweit ausgeschrieben werden, da es nicht so einfach war, an geeignete Rohre für dieses System zu kommen. Es dauerte rund ein halbes bis ein Dreivierteljahr, die Rohre zu disponieren.

Was ist für Sie das Besondere an dieser Baumaßnahme?

Das Projekt ist einfach unheimlich breit aufgestellt. Es geht nicht darum, von A nach B eine Straße zu bauen und dann ist es gut. Die Herausforderungen liegen vielmehr in der Bautechnik, der Disposition und vielen weiteren Aspekten. Es gibt viele Anlieger, viel Gewerbe und eine extrem hohe Verkehrsdichte zu koordinieren. Wir haben es am Knotenpunkt täglich mit ca. 18.000 Fahrzeugen westseitig und rund 14.000 Fahrzeugen ostseitig zu tun, wobei der Lkw-Verkehr einen hohen Anteil hat. Es laufen täglich Schwerverkehre und Sonderverkehre der umliegenden Firmen durch. Dieses ganze Programm macht es insgesamt sehr spannend. Der Verkehr, die Vielfältigkeit und die Anforderungen, da liegt die Messlatte meiner Meinung nach recht hoch.

Was war bisher die größte Herausforderung für Sie innerhalb des Projekts?

Bislang haben wir alle größeren und kleineren Herausforderungen gut gelöst. Eine davon betraf die Kampfmittelrecherchen. Bei den Sondierungen im Vorfeld konnte nichts festgestellt werden, doch bei den Rodungsarbeiten fanden sich dann Munitionskisten, die entsorgt werden mussten. Ein kleiner Aufreger. An einer anderen Stelle, im westlichen Baufeld fand sich ein vermutlich rund 500 Jahre altes Sühnekreuz. Es erforderte einige Wochen Abklärungsarbeit mit dem Landratsamt und der Denkmalpflege. Das Kreuz wurde dann innerhalb von zwei Stunden geborgen und dokumentiert.

Wie geht’s weiter?

Das dreifeldrige Überführungsbauwerk befindet sich in der Endphase: Die Abdichtungsarbeiten sind noch auszuführen, das Geländer zu montieren. Dann kommen noch die Asphaltierungen und im Anschluss geht es weiter mit den zwei Verkehrsverlegungen. Das heißt, der Verkehr, der momentan auf Provisorien liegt, wird schrittweise auf die neu asphaltierte Hauptstrecke verlegt. Dann werden die ganzen Ausstattungen, wie z.B. Markierungen, Schutzplanken und Beschilderungen disponiert. Ist das alles geschehen, wird die alte B14 abgestuft. Das bedeutet, sie verbleibt zum Teil als Gemeindestraße. Dann werden die Bankette hergerichtet, die Anschlüsse für die Gemeindestraße gebaut, dazu der nördliche Radfahrweg und ein südlicher Wirtschaftsweg angelegt. Parallel kommen die Schutzmaßnahmen für Amphibien und die Landschaftspflege in Form einer Auwaldgründung hinzu. Bis Ende des Jahres sollten wir das alles geschafft haben.