Juristen als Gestalter und Wegbereiter

Viktor Valnion, Fachreferent
Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr

Was ist Ihre Position und in welchen Referaten sind Sie tätig?

Seit rund einem halben Jahr bin ich im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr als Fachreferent tätig. Meine Zuständigkeiten liegen im Mietrecht und im Recht des Wohnungswesens. Im Mietrecht liegt die Gesetzgebungskompetenz beim Bund und unser Ministerium wirkt zusammen mit dem Bayerischen Staatsministerium der Justiz im Rahmen der Befugnisse des Bundesrats an der Gesetzgebung mit. Das Recht des Wohnungswesens ist Ländersache. Unser Ministerium ist hier federführend etwa bei der Erstellung von Gesetzesvorlagen oder Verwaltungsvorschriften tätig. In Bayern gibt es derzeit rund 130.000 sozial gebundene Wohnungen. Es ist unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass dieser Bestand seinem Zweck entsprechend genutzt wird.

Das Bauministerium bietet viele Möglichkeiten für Ausbildung, Studium und Karriere
© Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr

Was gehört dabei zu Ihren Tätigkeiten?

Mein Aufgabenspektrum bildet eine Mischung aus klassischen juristischen Aufgaben und Querschnittsaufgaben, die aus der Nähe zum politischen Entscheidungsträger resultieren.

Meine Hauptaufgabe besteht darin, Sachverhalte rechtlich zu bewerten. Wir arbeiten grundsätzlich im Team zusammen. Dies ist aus meiner Sicht auch unerlässlich, da wir bei vielen Fragestellungen "juristisches Neuland" betreten. Unsere Bewertungen dienen zum Beispiel als Entscheidungsgrundlage für unsere Hausspitze, zur Vorbereitung von Gesetzesinitiativen oder Verwaltungsvorschriften.

Auch wenn ich in einem Fachministerium und keiner Behörde vor Ort tätig bin, habe ich recht viel Bürgerkontakt. Dies empfinde ich als positiv. Einerseits beantworte ich Bürgerschreiben, anderseits nehme ich an Sitzungen des Petitionsausschusses des Landtags teil und vertrete dort die Position der Staatsregierung.

Ein weiterer Aspekt meiner Arbeit ist das Thema Digitalisierung. Bis Ende 2022 sollen Bürger viele Verwaltungsleistungen online in Anspruch nehmen können. Auch in meinem Bereich wird es künftig digitale Verwaltungsleistungen geben. Meine Aufgabe besteht darin, die Umsetzung fachlich zu betreuen.

Welche Eigenschaften und Fähigkeiten halten Sie in Ihrem Referatsalltag für wichtig?

Fundierte Rechtskenntnisse alleine genügen nicht. Die Arbeit erfordert darüber hinaus ein Verständnis für politische Zusammenhänge. Extrem wichtig sind Belastbarkeit und eine strukturierte Arbeitsweise. Oft müssen Sachverhalte sehr zeitnah bewertet und mehrere Vorgänge gleichzeitig bearbeitet werden. Die Fähigkeit, Aufgaben zu priorisieren, erleichtert einem die Arbeit. Auch wenn es Spitzen in der Arbeitsbelastung gibt, funktioniert die Work-Life-Balance hervorragend. Dazu trägt auch bei, dass Home Office tageweise problemlos möglich ist.

Warum haben Sie sich für die öffentliche Verwaltung entschieden?

Ich empfand die Verknüpfung von Recht und Politik bereits während der juristischen Ausbildung als sehr reizvoll. Nach meiner Wahlstation bei einer Deutschen Botschaft war für mich zudem klar, dass ich möglichst nah am politischen Entscheidungsträger arbeiten möchte.

Was war bei Ihrer beruflichen Entscheidung für das Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr ausschlaggebend?

Wir bearbeiten hier zwei Zukunftsthemen: Wohnen und Verkehr. Im Bereich Wohnbau kann ich als Fachreferent einen Beitrag leisten und so auch in gewisser Weise gestalterisch wirken. Meine persönliche Affinität zur Architektur hatte bei der Entscheidung sicher auch einen gewissen Einfluss.  

Wie empfinden Sie die Zusammenarbeit insbesondere mit den anderen Disziplinen?

Anders als in einem klassischen juristischen Beruf kommen meine Kollegen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen. So arbeiten wir Juristen u.a. mit Architekten, Volkswirten und IT-Fachleuten zusammen. Ich empfinde die Zusammenarbeit als besondere Bereicherung. Dies liegt daran, dass diese eine andere Herangehensweise haben als wir Juristen und viele Fragestellungen einer ganzheitlichen Betrachtung bedürfen. Neben der fachlichen Komponente schätze ich den persönlichen Umgang.

Wurden Sie bei Dienstantritt von Ihren Kollegen in den komplexen Themen fit gemacht?

Ich wurde gut eingearbeitet. Das Recht des Wohnungswesens ist ein für mich neues Rechtsgebiet, daher schätze ich es besonders, dass ich auf das Wissen und die Erfahrung meiner Kollegen zurückgreifen kann. Auch wenn der Alltag in einem Ministerium eine zeitnahe Bewertung von Sachverhalten erfordert, nehmen sich die Vorgesetzten und Kollegen für Rückfragen gerne Zeit.

Sie sind seit einem halben Jahr dabei. Wurden Ihre Erwartungen an diesen Job erfüllt?

Ich bin sehr zufrieden in meiner aktuellen Position. Inzwischen bin ich mit den Abläufen vertraut und übernehme mehr und mehr Verantwortung. Besondere Freude bereitet es mir, nah am politischen Geschehen arbeiten zu können. Positiv finde ich zudem, dass unser Minister moderne Strukturen in unserem Haus vorantreibt und an einem regen Austausch mit den Mitarbeitern interessiert ist.